Vinyl lebt. Im Interview: Masterton

Es werden wieder mehr Platten gekauft, produziert und verehrt. Man könnte also von einem zweiten Frühling sprechen, wobei es ja in der Elektroszene eigentlich nie einen wirklichen Winter gab. Zu dem Thema hatten wir einige Fragen, die uns der geschätzte Masterton beantwortet hat, von dem wir wissen, dass Vinyl einen hohen Stellenwert in seinem Leben spielt. Also los!

Phil, wir wissen, dass Vinyl bei dir eine große Rolle spielt. Warum eigentlich?

Platten haben mich schon begeistert, bevor ich angefangen habe aufzulegen. Sie waren natürlich auch das erste Medium, das ich – neben Tapes – als Kind kennengelernt habe. Den Reiz machen viele kleine Dinge aus: im Plattenladen stöbern, die Haptik oder schöne große Cover. [lacht] Und natürlich das Geräusch, wenn Du die Nadel aufsetzt – einfach großartig. Aber zum Schluss hat – denke ich – das Auflegen die größte Rolle gespielt.

Wie begann das eigentlich mit deiner Leidenschaft?

Mein Bruder ist 10 Jahre älter als ich. Durch ihn habe ich viel von Hip Hop und Club Musik mitbekommen, als ich noch recht jung war. Er hatte auf einer Kassette die Tonspur von „Beat Street“, einem Hip Hop Film von 1984. Da ich das Tape rauf und runter hörte, konnte ich den Film komplett auswendig mitsprechen. Und obwohl ich die Bilder dazu erst viel später sah, war ich einfach begeistert von dem, was die DJs und Musiker taten und wie sie mit Musik umgegangen sind. Als Jugendlicher hab ich angefangen Old-School Hip Hop Platten zu kaufen. Mein Plattenhändler hat mich über die Jahre dann mehr und mehr in Richtung Deep House geleitet. Als ich in 2001 meinen ersten Gig hatte, ging die Plattensammlerei erst richtig los.

Wie groß ist deine Plattensammlung?

So groß, dass keiner meiner Freunde mehr bei einem Umzug helfen mag. [lacht] Ich hab es mal überschlagen – es sind ca. 4.000 Platten.

Würdest du unterstreichen, dass jeder gute DJ auch Platten auflegen sollte?

Auf keinen Fall. Die Diskussion ob Vinyl beim Auflegen sein muss oder nicht, halte ich für unwichtig. Früher war es klar das einzige Medium. Heute lege ich meist mit Traktor und Control-Vinyls auf. Ich erstelle häufig Edits und kann diese nun direkt spielen. Früher hätte man dafür teure Dubplates anfertigen müssen. Manche Platten habe ich aus diesem Grund doppelt gekauft, damit ich den Track direkt beim Auflegen variieren konnte. Das ist alles einfacher geworden. Zum Schluss geht es doch darum, dass man das Werkzeug oder Instrument nutzt und beherrscht, welches es einem ermöglicht kreativ zu sein und Leuten großartige Musik zu präsentieren.

Du kommst aus Berlin und wir wissen, dass du auch mit Fußball was am Hut hast. Erzähl doch mal.

Wenn ich irgendwo schon sehr lange „Resident“ bin, dann im Berliner Olympiastadion. Seit 12 Jahren lege ich dort an den Spieltagen von Hertha oder anderen Ereignissen wie der Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen auf. Es gibt dort eine tolle Lounge, in der ich vor und nach den Spielen Deep- und Vocal-House auflege.

Was reizt dich mehr? Festivals oder volle Clubs?

Clubs  – und ich mag auch Open Airs sehr gern’. Aber zu große Festivals mit zehntausenden von Besuchern sind nicht so mein Ding. Ich hab es lieber familiär wie beim Tag Am Meer Festival, auf dem ich dieses Jahr auch wieder spiele.

Erzähle uns was von deinen neuen Projekten.

Mein aktueller Track „You/Remain“ ist gerade erschienen. Für dieses Stück habe ich einige Sounds und Melodien mit meiner Sansula aufgenommen – einem Instrument mit sehr warmem Sound, ähnlich einer Kalimba. Um diese Loops herum entwickelte ich dann die Chords und den Hauptteil für Piano. Die anderen Instrumente stammen fast alle aus analogen Synthesizern. Einige digitale Sounds habe ich mit dem großartigen OTO Biscuit – einem 8bit Bit-Crusher und Analog Filter – modifiziert. Der Track wurde gerade von Change Underground vorgestellt:

Erschienen ist er auf unserer neuen BlackFoxMusic Compilation „Kapitel 5″ zum 10-jährigen Label-Jubiläum. Momentan erhältlich auf 2 x 12“ Vinyl – Ende Juli erscheint das Album dann auch digital.

Und natürlich darf ein neues Mixtape nicht fehlen. Für die Rauschzeit Mix Show habe ich ein Set aufgenommen, das mit Electronica, House und Techno eine Menge an Sounds zusammen bringt:

Was dürfen wir darüber hinaus von dir in diesem Jahr noch erwarten?

Momentan arbeite ich an neuen Stücken sowie einigen Remixen. Ich denke zum Ende des Jahres wird es eine neue Single auf BlackFoxMusic geben. Zudem planen wir noch eine Party zum 10-jährigen Label-Jubiläum in Berlin. Und vielleicht gibt es ja auch noch ein Mixtape für „Das Haett Es Frueher Nicht Gegeben … „.

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