Clubschliessung dank GEMA!?

Es vergeht kaum längere Zeit, in der man nichts über zweifelhafte Vorhaben der GEMA mit meist fatalen Folgen für die jeweiligen Betroffenen mitbekommt. Man hört und liest von einseitig beschlossenen Tarifen für Clubs und DJs (siehe Artikel zu geplanten Tarifen für DJs) bis hin zu Abmahnungen an Kindergärten wegen Notenkopien – vom GEMA vs. Youtube-Debakel ganz zu schweigen. Bei allen, zumeist negativen, Schlagzeilen fällt es schwer die positiven Aspekte der Rechtewahrnehmung durch die Verwertungsgesellschaft zu sehen – sofern diese in der elektronischen Musikszene überhaupt größere Relevanz haben. Das wäre ein Thema für sich.

Viele Gegner der angestrebten GEMA-Tarifreformen haben vorausgesagt, dass durch diese im schlimmsten Fall die Zerstörung von Kultur folgen würde – gerade im Bereich der elektronischen Musik und deren Szene.

Da passt eine aktuelle, lokale Hiobsbotschaft mit vermeintlicher GEMA-Beteiligung ins Bild, die sich gerade via soziale Netzwerke verbreitet. Demnach würde ein ehrenamtlich geführter Kleinstadtclub, südöstlich von Bremen gelegen, durch eine Nachzahlungsaufforderung der GEMA vor dem endgültigen Aus stehen.

ZugegFrueher-Gema-01eben, die Stadt Achim klingt nicht nach dem Mekka der elektronischen Musik, aber Bookings wie Kollektiv Turmstrasse, Oliver Schories, Marek Hemmann und Format:B, um nur einige zu nennen, sprechen für sich bzw. das „Dröönläänd“.

Um genauere Informationen zur Lage zu erhalten, haben wir mit Stefan und Christoph alias audio stunts & mahumba gesprochen, da einer der beiden aus Achim kommt und sie beide ihren ersten Gig als „audio stunts & mahumba“ im Dröönläänd gespielt haben, sind sie besonders mit dem Club verwurzelt.

Hallo ihr beiden, stellt euch und den Club doch mal kurz vor.

Wir sind das DJ-Kollektiv audio stunts & mahumba aus Bremen. Da wir in den letzten Jahren oft im Dröön gespielt haben, ist uns der kleine sympathische Club sehr ans Herz gewachsen. Irgendwann sind wir selber Mitglieder im MiAU e.V. (Musikerinitiative Achim und Umgebung, Anm. d. Red.) geworden, um den Club zu unterstützen. Der Club wird seit 30 Jahren gemeinnützig und ehrenamtlich geführt. Von den Organisatoren über Techniker bis zur Theken-Crew, niemand bekomt einen Cent Geld für seine Arbeit. Den Leuten geht es nur darum, den jungen Menschen eine Feier-Kultur abseits von Großraumdiscos und Mainstream zu bieten. DJs und Bands können das Dröön zum Proben nutzen, auf dem Dachboden sind manchmal Künstler anzutreffen und die Techniker löten sich unter der Woche die Finger blutig an irgendwelchen abgedrehten Techink-Gimmicks für den Club.

Was ist das für eine Forderung seitens der GEMA?

Der MiAU e.V., der das Dröön betreibt, zahlte in den letzten Jahren wie üblich eine vierteljährliche Pauschale an die GEMA. Ende letzten Jahres kam ein Brief, indem darum gebeten wurde, die Partys der letzten Jahre „nachzumelden“. Auf Rückfrage bei der GEMA bekam man die Information, dies sei nur für die Berechnung des zukünftigen Grundbetrages. Da eh gerade der große GEMA-Wahnsinn für die Clubs auf Hochtouren kochte, beschloss man erstmal die Füße still zu halten und abzuwarten, was die öffentliche Diskussion für die neuen Beiträge ergibt. Kurze Zeit später kam eine Zahlungsaufforderung der GEMA in Höhe von € 14.000 in den Briefkasten geflattert.

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Gibt es keine Verhandlungs- oder sonstige Möglichkeit die Forderung abzuwenden und was sind die unmittelbaren Folgen?

Nach einem großen Lacher und der telefonischen Rückfrage bei der GEMA ging uns allen der Arsch auf Grundeis. Die meinten das tatsächlich ernst. Nachdem wir der GEMA versucht haben zu erklären, dass wir ein gemeinnütziger Verein sind, der gerade so kostendeckend und ehrenamtlich arbeitet, gab es eine interne Beratung seitens der GEMA und eine finale Rechnung in Höhe von € 11.000. Diese setzen sich unter anderem durch Recherche- und Verwaltungsgebühren zusammen. Die unmittelbaren Folgen wären jetzt die Schließung des Clubs, die Haftung des Vorstandes und ein Haufen Schulden. Man kann davon ausgehen, dass das Wort „Dröönläänd“ nur noch mit Tränen im Gesicht oder von Anwälten ausgesprochen werden würde.

Wie habt ihr vor dem Dröönläänd zu helfen?

Wir haben uns kurz nachdem klar war, dass die Zahlung nicht mehr abzuwenden ist, dafür entschlossen den Leuten vom Dröön in Form von drei Soli-Partys zu helfen. Wir haben einige befreundete DJs zusammengetrommelt und erfreulicherweise innerhalb von 5 Stunden das LineUp für drei Partys voll bekommen. Auf den Partys werden alle Acts auf ihre Gage verzichten, zudem bieten wir jeweils einem Newcomer die Möglichkeit auf der Party zu spielen. Der Erlös der drei Partys geht also, bis auf die Fahrkosten der Acts und die Kosten für die Türsteher, ausschließlich ans Dröön. Wir hoffen, dass wir die Bude ordentlich voll bekommen. Die Resonanz und der Rückhalt, sowohl von Gästen als auch von Musikern und DJs ist im Moment überwältigend gut.

Wann sollen die Partys standfinden?

Die erste Party wird am 27.04.2013 steigen. Dort werden unsere Freunde aus Celle, Daktari, Jules Smif und Hannes Kregel, sowie die Newcomer Mett & Igel und wir selbst spielen. Die nächste Party wird wohl im Juni sein. Die letzte dann evtl. im August.

Danke für eure Informationen

Gerne. Danke, dass ihr uns eine Plattform bietet 🙂

http://www.facebook.com/audio.stunts.und.mahumba
http://droen.de/rettet-das-droon
http://www.facebook.com/droen.de

Fotos: funkjunge.com

 

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